Müheloses (passives) Einkommen

Wussten Sie schon, dass die Vergütung von Kreativleistungen (wie z. B. Tantiemen oder Vergütung von Leistungsschutzrechten) dem "mühelosen" oder "passiven" Einkommen (in der Fachsprache Residualeinkommen) zugerechnet werden?! Dabei handelt es sich im Allgemeinen per Definition um Einkünfte aus Zinsen, Vermietung, Lizenzen, Rendite etc., die ohne unmittelbar damit verbundene Arbeitsleistung erzielt werden. Damit wird praktisch die Arbeit von Komponisten, Dichtern oder Studiomusikern auf die gleiche Stufe gestellt, wie die Vermietung von Immobilien oder das Einkassieren von Zinsen oder Renditen.

Theoretisch könnte es einem ja auch egal sein, wie die Vergütung von Kreativleistungen z. B. durch die GEMA oder GVL genannt werden. Allerdings wird es dann interessant, wenn man entsprechend der Einteilung in "müheloses" oder normales (Neben)einkommen im Sozialgesetzbuch also Komponist oder Texter eigentlich gar keine Einkünfte hat oder hatte. Denn "müheloses" Einkommen gilt z. B. bei Arbeitslosengeld-Empfängern nicht als Nebeneinkommen, das bei der Berechnung von Freibeträgen für Nebeneinkünfte während des ALG-Bezugs einbezogen werden kann.

Resultat: Wer auf den ALG-Bezug angewiesen ist, zuvor jahrelang von Einkünften aus Tantiemen oder Leistungsschutzrechten gelebt hat, darf plötzlich auch nur 165,- EUR monatlich zu seinem ALG verrechnungsfrei dazu verdienen. Komponisten oder Texter, denen während eines ALG-Bezugs plötzlich keine Tantiemen mehr zufließen und die nun deshalb unterrichten oder live spielen müssen - also "richtige" Nebeneinkünfte erzielen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu gewährleisten -, müssen diese Einkünfte nun mit dem ALG verrechnen und werden damit dafür abgestraft, dass sie vorher "mühelos" Geld verdient hatten. Was halten Sie davon?

 

Wolfgang Fiedler (2013)

 

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