Daten zum Nulltarif?

Im Zeitalter der Digitaltechnik kostet die Vervielfältigung und Verbreitung von Daten aller Art so gut wie kein Geld - im Gegensatz z. B. zum Buchdruck, bei dem zumindest in Form von Material (Papier), Druck, Binden und Vertrieb ein erheblicher wirtschaftlicher Aufwand entsteht. Der wirtschaftliche Aufwand für eine vielfache Kopie und Verbreitung von digital reproduzierbaren Produkten geht also gegen Null. Dabei handelt es sich vielfach um Produkte aus Kreativleistungen aller Art, die einen beträchtlichen Wert für den Nutzer haben. Da sie sich ohne nennenswerten finanziellen Aufwand unendlich reproduzieren lassen, können sie also allen (auch mittellosen) Menschen "geschenkt" werden, ohne dass dadurch jemandem (außer dem Urheber) ein wirtschaftlicher Nachteil entsteht. Für die angemessene Entschädigung der Urheber müsste angesichts dieser erheblichen Vorteile leicht eine Lösung zu finden sein, aus der nicht notwendigerweise wieder ein Einzelpreis pro Kopie resultieren müsste. Theoretisch ergibt sich hier eine Chance für einen gewaltigen Fortschritt für die gesamte Menschheit im Informationszeitalter - theoretisch!

Warum gibt es trotz dieser einfachen Logik so erhebliche Widerstände gegen das kostenlose Kopieren und Verbreiten von Daten?

Wie schon angesprochen, haben Produkte aus Kreativleistungen selbstverständlich zunächst einen Gegenwert in Gestalt des "Erstellungsaufwands". Anders gesagt: Die Urheber müssen eine Menge Arbeit leisten, damit es überhaupt was zu vervielfältigen gibt. Diese Arbeit muss angemessen vergütet werden, wobei nicht nur die Arbeit an dem Produkt selbst, sondern auch die gesamte Vorarbeit zum Erlangen der Fähigkeiten zum Erzeugen eines solchen Produkts mit einkalkuliert werden muss.

Aber selbst diesen Wert müsste man nicht unbedingt anteilig auf jede Kopie verteilt umlegen. Denn wir benutzen ja (noch) vieles kostenlos, das ebenfalls kostenintensiv hergestellt oder erhalten werden muss und in diesen Fällen durch die Gemeinschaft in Form von Steuern und Abgaben finanziert wird. Somit ist es theoretisch nur eine Frage der Organisation, wie Kreativleistungen auch ohne Einzelpreis einer Kopie finanziert werden können.

Aber genau da liegt auch ein großes Hindernis: Die traditionellen Verbreitungsformen von Kreativleistungen wie Musik, Literatur etc. auf "physischen" Datenträgern (Schallplatten, CDs, DVDs, Bücher etc.) erforderten bislang die Partnerschaft der Urheber mit Produktions- und Plattenfirmen, Verlagen, Vertriebsfirmen etc., die ihrerseits Aufwand für Herstellung, Vertrieb, Werbung etc. hatten und sich im Gegenzug für die Vermarktung gewisse Verwertungsrechte an den Produkten aus der Kreativleistung gesichert haben. Diese Verwertungsrechte sichern diesen Partnern auf lange Sicht Einnahmen, ohne dass weiterer Erstellungsaufwand anfällt. Der eventuelle Anteil der Urheber am Preis einer physischen Kopie (CD, DVD, Buch etc.) ist in der Regel recht gering (je nach Vertrag mit dem Verwerter). Der Käufer eines solchen Datenträgers bezahlt also in erster Linie die Aufschläge seitens der Produktionsfirmen, Verlage oder Vertriebe auf die Kosten, die für die Herstellung und Vermarktung entstehen. Hierbei sind in der Regel noch Verwertungsgesellschaften (wie die GEMA in Deutschland) zur Wahrnehmung und ggf. Durchsetzung der Urheber- und Verwertungsrechte zwischengeschaltet. Diese Institutionen sind dazu verpflichtet, die auf diese Weise definierten wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder (Urheber, Verwerter) zu vertreten. Damit entstehen natürlich weitere Kosten, die letztlich wieder auf jede Kopie umgelegt werden.

Aus der "traditionellen" Stuktur (Organisation) des Geldflussen vom Endverbraucher über die Verwerter zu den Urhebern ergibt sich, dass im Falle einer "Raubkopie" alle am Original Beteiligten leer ausgehen - also auch der Urheber. Auch wenn man - wie wir meinen - konsequent zwischen Urhebern und Rechteinhabern differenziert, gibt es in den traditionellen Vertriebswegen bisher keine praktikable Möglichkeit der Existenzsicherung für die Urheber, wenn deren Produkte kostenlos verbreitet werden.

Fazit: Die Forderung, das kostenlose Kopieren und Verbreiten von digital verfügbaren Produkten aus Kreativleistungen zu legitimieren, ist absurd, denn damit würde den Urhebern die Existenzgrundlage entzogen und in der Konsequenz das Erbringen von Kreativleistungen zum Erliegen kommen. Die logische Folge: Es gibt nichts mehr zu kopieren.

Allerdings soll dies nicht die drastischen restriktiven Maßnahmen zur Verhinderung von Raubkopien pauschal rechtfertigen. Vielmehr ergibt sich daraus die dringende Forderung an die Politik und die Institutionen zum Schutz von Urheberrechten, sich an schon vorhandenen Beispielen alternativer Geschäftsmodelle zur Vergütung von Kreativleistungen zu orientieren und progressive Systeme zu etablieren, die den eingangs genannten Möglichkeiten zum Wohle der Menschheit nicht im Wege stehen, statt sie zu fördern.

KGB-Redaktion 06/2012

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