Die GEMA

Gleich vorweg: Dieser Beitrag soll nur der Information und Aufklärung über faktische Zusammmenhänge dienen. Deren Bewertung ist absolut Ihnen überlassen!

Was ist die GEMA?

Die Initiative zu einem Zusammenschluss von Komponisten und Textdichtern mit dem Ziel, eine Vergütung für die Aufführung ihrer Werke besser organisieren und erwirken zu können, geht auf das späte 19. Jahrhundert zurück und ein wesentlicher Initiator dessen in Deutschland war Richard Strauß. Ausführliches zu GEMA, ihrer Geschichte und ihrer heutigen Organisationsstruktur können Sie auf http://de.wikipedia.org/wiki/GEMA nachlesen.

Der ursprüngliche Gedanke der im frühen 20. Jahrhundert unter verschiedenen Namen agierenden Gesellschaften war vor allem der Schutz der Komponisten und Textdichter (Urheber) vor unkontrollierten und unbezahlten Aufführungen ihrer Werke. Infolge eines immer komplexer gewordenen Geflechts aus Urhebern und Inhabern von Copyrights (Verwertungsrechten) wie Produktionsfirmen, Verlagen, Vertriebsfirmen etc. haben sich die heutige GEMA und ihre internationalen Schwestergesellschaften zu Institutionen entwickelt, die nicht nur die wirtschaftlichen Interessen der Urheber vertreten, sondern zunehmend die oft viel stärkeren Interessen der sonstigen "Rechteinhaber". Lesen Sie hierzu auch den Beitrag "Daten zum Nulltarif".

Hierbei spielt das "Kräfteverhältnis" zwischen den in der GEMA vertretenen Interessengruppen eine entscheidende Rolle. Die große Anzahl der Urheber, deren Werke und Interessen nicht von machtvollen Rechteinhabern vertreten werden, sind an der Verteilung der GEMA-Einnahmen zunehmend geringer beteiligt.

Dazu muss man beachten, dass im Zuge der Globalisierung und weltweiten Vernetzung Aufführungen und Vervielfältigungen von Werken immer weniger nur auf nationaler Ebene stattfinden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Ansprüche der Urheber und Rechteinhaber auf Vergütung international zu vertreten - in der Praxis durch Verträge der GEMA-änhlichen Urheberrechtsgesellschaften untereinander.

Anmerkung: Im weiteren Text muss zwischen Musikkonsumenten (denjenigen, die Musik auf Tonträgern, im Internet oder in Konzerten hören) und Musiknutzern (Rundfunk/Fernsehanstalten, Veranstaltern etc.) unterschieden werden. Als Musiknutzer bezeichnen wir also alle Firmen und Institutionen, die direkt oder indirekt Einnahmen durch die Aufführung von Musik oder Musikvideos erzielen.

Ein Beispiel für die Komplexität der Aufgaben der GEMA: Bei der kostenlosen Bereitstellung von Musikvideos auf YouTube wird für den Konsumenten nicht offensichtlich, dass die Google-Tochter YouTube dadurch z. B. über Werbung gewaltige Gewinne einfährt. Somit haben die für den Konsumenten kostenlosen Aufführungen von Werken für YouTube einen erheblichen wirtschaftlichen Wert, an dem die Urheber jedoch bisher nicht beteiligt werden. Die einzige für die Künstler nutzbringende Gegenleistung ist das Bereitstellen der Plattform für die Wahrnehmung in einer breiten Öffentlichkeit.

Die Verwaltung der GEMA ist jedoch verpflichtet, im Interesse ihrer Mitglieder für die öffentlichen Aufführung deren Werke Tantiemen einzufordern - also auch mit YouTube entsprechende Verträge abzuschließen. Das ist bisher daran gescheitert, dass YouTube (also Google) dazu nicht bereit ist. Infolgedessen haben einige Rechteinhaber, die in der GEMA vertreten sind, die Präsentation mancher Musikvideos auf YouTube in Deutschland untersagt. Die Argumente dafür sind rechtlich nachvollziehbar, denn eine nicht bezahlte Ware wird in diesen Fällen nicht ausgeliefert.

Dieses Thema wird deswegen so kontrovers diskutiert, weil viele der auf YouTube vertretenen Urheber von dieser Öffentlichkeit profitieren, also eine kostenlose Abgabe ihrer Arbeit billigend hinnehmen und dabei nicht erkennen, wer statt ihrer in welchem Maße dabei von dieser Leistung profitiert. Hinzu kommt, dass sich aus o. g. Gründen die meisten dieser Urheber, sofern sie GEMA-Mitglieder sind, durch die GEMA nur unzureichend vertreten fühlen. Aus diesen und ähnlichen Gründen stellen viele Urheber ihre Arbeit freiwillig YouTube zur unbezahlten Nutzung zur Verfügung. Und die Konsumenten halten es für einen Normalzustand, für all das nicht zahlen zu müssen.

Mit der Sperrung einiger Musikvideos in Deutschland hat die GEMA ihr Negativ-Image in der Öffentlichkeit gestärkt, wobei allerdings weitgehend übersehen wird, dass die GEMA hier nur im Auftrag der Rechteinhaber ausschließlich dieser Produktionen handelt. Es muss festgestellt werden, dass die Sperrung dieser Videos nicht auf Initiative der GEMA im Allgemeinen, sondern auf Initiative einiger weniger in der GEMA vertretener Rechteinhaber erfolgt. Innerhalb der GEMA-Mitglieder ergibt sich hier auch noch mal eine gewisse Spaltung der Interessen.

Fazit: Um diese Spannungsfelder zu entzerren, bedarf es funktionierender Systeme, die eine faire Beteiligung der Urheber an den Gewinnen der Musiknutzer garantieren und die gleichzeitig den Rechteinhabern die Machtmittel entziehen, ihre wirtschaftlichen Interessen gegen die Interessen der Allgemeinheit so massiv wie bisher durchzusetzen. Ob die GEMA auf lange Sicht in ihrer aktuellen Form dabei eine wesentliche Rolle spielen kann, ist fraglich, da ihre gesetzlichen Grundlagen einer radikalen Neuausrichtung im o. g. Sinne im Wege stehen.

KGB-Redaktion 06/2012

 

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